Flugwetterwarte Hamburg als Klimareferenzstation eingeweiht

  • Hamburg-Fuhlsbüttel, 28. Juli 2009 – „Für die Klimaforschung und politische Entscheidungen über Anpassungen an den Klimawandel sind jahrzehntelange Klimabeobachtungen bisher und auch künftig unverzichtbar. Der Deutsche Wetterdienst richtet deshalb auf Dauer ein deutschlandweites Netz von zwölf Klimareferenzstationen ein. Dazu gehört auch die Flugwetterwarte Hamburg-Fuhlsbüttel." Das erklärte Wolfgang Kusch, Präsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD), bei der Einweihung der Klimareferenzstation Hamburg. Gerade die Politik sei auf belastbare Fakten zum Klimawandel angewiesen. Denn ohne Fakten würden die notwendigen Entscheidungen in der Gesellschaft keine Akzeptanz finden. Diese Fakten liefere der Deutsche Wetterdienst.


    Als nationaler Wetterdienst der Bundesrepublik Deutschland unterhält der DWD deshalb rund 2 100 Wetterwarten, Wetterstationen und Messstellen - eines der weltweit dichtesten und leistungsfähigsten Messnetze zur Wetter- und Klimabeobachtung. Das Herzstück dieses Netzes sind zwölf Klimareferenzstationen, die auch in den kommenden 100 Jahren mit einheitlicher Messtechnik und gut ausgebildeten Wetterbeobachtern die Klimaveränderungen erfassen sollen. Als Standorte, die repräsentativ für ihr landschaftliches und klimatisches Umfeld sind, hat der DWD Helgoland, Schleswig, Potsdam, Görlitz, Lindenberg, den Brocken, Aachen, den Fichtelberg, Frankfurt am Main, den Hohenpeißenberg, Konstanz und Hamburg ausgewählt.


    An allen Klimareferenzstationen wird der DWD ganzjährig und rund um die Uhr die für die Klimaüberwachung zentralen meteorologischen Größen messen und beobachten. Dazu gehören der Luftdruck, verschiedene Luft- und Bodentemperaturen, die Niederschlagshöhe und Sonnenscheindauer, die relative Feuchte und die Schneehöhe. Die Referenzstationen haben zugleich die Aufgabe, die Qualität aller klimatologischen Beobachtungsreihen des DWD auch beim immer wieder notwendigen Wechsel der Messtechnik sicherzustellen. Das heißt zum Beispiel: Die Einführung eines neuen Thermometers darf nicht zu einem Sprung im Temperaturtrend aufgrund neuer Messtechnik führen.


    Nur der DWD kann meteorologische Infrastruktur bereitstellen
    All diese Aufgaben seien ein notwendiger Beitrag jedes nationalen Wetterdienstes zur weltweiten Klimaüberwachung. Möglich sei das nur, weil die Steuerzahler in aller Welt die Kosten dieser wichtigen Staatsaufgabe tragen und somit jahrzehntelange Klimabeobachtungen mit höchster Qualität garantierten. Kusch: „In Deutschland kann nur der DWD als nationaler Wetterdienst der Bundesrepublik Deutschland die gesamte meteorologische Infrastruktur bereitstellen. Ohne unsere Mess- und Beobachtungssysteme, ohne unsere Kommunikations- und Datenverarbeitungssysteme und ohne unsere Wettervorhersagemodelle gäbe es keine Wettervorhersagen, keine Unwetterwarnungen und keine Klimaüberwachung."


    Seit 1891 systematische Wetterbeobachtung in Hamburg
    In Hamburg hat die Meteorologie und Wetterbeobachtung eine große und jahrzehntelange Tradition. So wurde bereits 1868 die Norddeutsche Seewarte gegründet. Eine ununterbrochene Wetterbeobachtungsreihe besteht in der Hansestadt seit 1891. Beobachtet und gemessen wurde bis 1934 an der Seewarte. Aufgrund der immer dichteren städtischen Bebauung zog die Wetterwarte danach zum Flughafen nach Fuhlsbüttel um. Die dortige Flugwetterwarte gab es bereits seit 1925. Heute wird am Landebahnhaus der Flugwetterwarte gemessen. Hamburg¬Fuhlsbüttel ist aber nicht nur eine Wetterwarte, sondern zugleich Flugwetterwarte. Deren Wettermeldungen stehen weltweit allen Piloten jederzeit zur Verfügung. An der Flugwetterwarte Hamburg wird außerdem die Radioaktivität in der Luft und im Niederschlag rund um die Uhr überwacht.


    Mit ihrer langen Zeitreihe erfüllt die Flugwetterwarte Hamburg¬Fuhlsbüttel ein entscheidendes Kriterium für den Status einer Klimareferenzstation. Klimatologisch ist der Standort repräsentativ für die schleswig-holsteinische Geest. Die neue Funktion als Klimareferenzstation ist für die Flugwetterwarte Hamburg ein weiterer Meilenstein in ihrer Geschichte. Das sei, so Kusch, für die 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die hier vor Ort diese wichtigen Aufgaben betreuen, ein Grund zur Freude – aber zugleich auch eine Verpflichtung.


    Zahlen und Fakten zum DWD 2009


    Etat (Planzahlen)
    Gesamt-Etat: 228 Millionen Euro, davon rund 53 Millionen Euro
    Beiträge für Internationale Organisationen wie EUMETSAT
    Verfügbarer Etat: 175 Millionen Euro
    Investitionen: rund 31 Millionen Euro
    Personalausgaben: rund 105 Millionen Euro
    Einnahmen (fließen direkt in die Bundeskasse): rund 51 Millionen Euro
    davon etwa 43 Millionen Euro Gebühren Flugwetterdienst
    Steuermittelbedarf: 177 Millionen Euro (Etat abzüglich Einnahmen)


    Planstellen knapp 2 400


    Flächenpräsenz
    Zentrale in Offenbach am Main
    6 große Niederlassungen (Hamburg, Potsdam, Leipzig, Essen, Stuttgart, München) mit zum Teil mehr als 100 Beschäftigten
    6 Standorte mit regionaler Klima- und Umweltberatung
    7 Luftfahrtberatungszentralen
    3 Agrarmeteorologische Beratungsstellen
    183 hauptamtliche Wetterwarten und Wetterstationen (davon 51 rund um die Uhr und 34 zeitweise mit Personal besetzte Wetterwarten sowie 98 automatisierte Wetterstationen)
    Rund 1 850 nebenamtliche Wetter- und Niederschlagsstationen, davon etwa 800 als Online-Stationen
    Rund 1 280 phänologische Beobachtungsstellen
    2 hauptamtliche Bordwetterwarten auf Forschungsschiffen
    16 automatische Bordwetterstationen
    830 Wettermeldestellen auf Handelsschiffen
    4 automatische aerologische Stationen auf Schiffen
    17 Wetterradarstandorte in Deutschland 2 Meteorologische Observatorien
    9 Radiosonden-Stationen mit jährlich rund 7 000 Ballonaufstiegen
    41 Stationen mit Radioaktivitätsmessung
    3 Mobile Messeinheiten



    Jährliche Arbeitsergebnisse
    90 000 Vorhersagen, 20 000 Wetter- und Unwetterwarnungen
    Gut 15 000 Beratungen/Gutachten für Behörden, Katastrophenschutz und andere Kunden
    Etwa 510 000 Vorhersagen und Warnungen für die Luftfahrt Rund 70 000 individuelle telefonische Beratungen für Piloten Rund 200 000 Berichte, Warnungen und Beratungen für die Seeschifffahrt, den Küstenschutz und Offshore-Unternehmungen Mitarbeit in 50 größeren nationalen und internationalen Projekten Erstellung von gut 14 000 Produkten zur Klimaüberwachung Rund 200 Millionen Klimadaten für Forschung und Lehre


    Zahlen und Fakten zur Flugwetterwarte Hamburg
    1868 Gründung der Norddeutschen Seewarte
    1891 Beginn der systematischen Wetterbeobachtung in Hamburg
    1925 Gründung der Flugwetterwarte Fuhlsbüttel
    1930 Umzug der Wetterstation der Seewarte zum Flughafen Fuhlsbüttel 2009 Einweihung der Flugwetterwarte als Klimareferenzstation
    Trend zur Erwärmung auch in Hamburg
    Quelle:DWD
    Hamburg: Jahresmittel der Temperatur 1891-2008

    DWD Presseinformation




    Herren Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung am Hamburg Airport. Wolfgang Kusch, Präsident des Deutschen Wetterdienstes sowie Frau Ulrike von Bargen, Leiterin der Flugwetterwarte am Hamburg Airport.






    Fotos und Copyright (C) Helmut Groening für Aviation Friends Hamburg

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